Veröffentlicht am: 26.03.25
Im Jahr 2023 wurden jedem Versicherten der GKV durchschnittlich 4,1 DDD an Antibiotika verordnet. Diese Arzneimittelgruppe wird daher den häufig angewendeten Arzneimitteln zugerechnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Pro-Kopf-Verbrauch gestiegen: 2022 lag er noch bei 3,6 DDD.
Die Indikationsgruppe der Antibiotika zur systemischen Anwendung wird nur bei Bedarf, also bei Auftreten von bakteriellen Infektionen, für einen begrenzten Zeitraum eingesetzt. Abgesehen von jährlichen Schwankungen verlief die Verbrauchsentwicklung bis 2013 weitgehend stabil und lag im Mittel bei jährlich 350 Mio. DDD. 2013 wurde mit rund 376 Mio. DDD der höchste Verbrauch im betrachteten Zeitraum beobachtet. Seitdem ging der jährliche Verbrauch bis 2021 zurück. Bereits ab 2017 hat sich die rückläufige Entwicklung beschleunigt und war 2020 mit einem Rückgang von 24,1 % besonders ausgeprägt. Im Jahr 2021 wurde mit einem Verbrauch von 211,1 Mio. DDD der Tiefpunkt erreicht – der Verbrauch war um mehr als 40 % geringer als 1996. Seit 2022 steigt er wieder und erreichte 2023 einen Wert von 304 Mio. DDD, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr um 16 % entspricht. Grund ist der erhöhte Bedarf durch die jeweils sehr ausgeprägten Infektionswellen im Herbst/Winter 2022 sowie zu Beginn und Ende des Jahre 2023, so dass das Verbrauchsniveau von 2019 (vor der Corona-Pandemie) wieder erreicht wurde.
Der Verbrauch stieg 2023 nicht für alle Therapieansätze gleichmäßig. Besonders hoch war das Wachstum für die Kombinationen von Penicillinen (um 39%; Hauptvertreter Amoxicillin in Kombination mit Beta-Lactamasehemmern), die Cephalosporine der 2. Generation (um 22%, Hauptvertreter Cefuroxim) und die Penicilline mit erweitertem Wirkungsspektrum (um 14%; Hauptvertreter Amoxicillin).
Der Therapieansatz der Penicilline mit erweitertem Wirkspektrum hatte 2023 mit 23 % den höchsten Anteil am Verbrauch, gefolgt von den Cephalosporinen der 2. Generation (16 %), den Kombinationen aus Penicillinen und Betalaktamase-Hemmern (13 %) sowie Tetrazyklinen (12 %). Der höchste Verbrauchsrückgang war 2023 für die Betalaktamase-empfindlichen Penicilline mit 18 % im Vergleich zum Vorjahr zu beobachten. Der Verbrauch von Penicillin-Betalaktamase-Hemmer-Kombinationen stieg dagegen um 39 % an. Diese Veränderungen können dadurch bedingt sein, dass sich das Erregerspektrum im Vergleich zum Vorjahr verändert hat. Von größerer Bedeutung düfte jedoch die Verfügbarkeit der jeweiligen Antibiotika gewesen sein, da diese regelmäßig von Lieferschwierigkeiten betroffen sind (Shafiq et al. 2021).
Ambulant werden Antibiotika am häufigsten bei Infektionen der Atemwege sowie der Harnwege eingesetzt. Bei der Häufigkeit von Atemwegsinfektionen ist die Stärke der jährlichen Influenzaaktivität von Bedeutung. Häufig korrelierte daher in der Vergangenheit der Antibiotikaverbrauch mit der Influenzaaktivität. Bedingt durch die zunehmende Resistenzentwicklung hat sich der Blick auf die Antibiotikaanwendung gewandelt: Es gilt, Antibiotika rational und in jedem Falle leitliniengerecht einzusetzen. D. h., es kann in vielen Fällen auf eine Antibiotikagabe verzichtet werden (siehe z. B. KV Baden-Württemberg 2015).
Für die zunehmend erfolgreiche Umsetzung dieser Strategie sprach der kontinuierliche Verbrauchsrückgang seit 2014. 2020 und 2021 wurde der Effekt durch die Corona-Pandemie verstärkt: Die Vorsichtsmaßnahmen und Kontaktbeschränkungen führten dazu, dass Infektionen der oberen Atemwege im Vergleich zu den Vorjahren erheblich zurückgingen (siehe z. B. RKI 2021), sodass einerseits seltener die Notwendigkeit bestand, Antibiotika zu verabreichen. Angesichts des in den letzten beiden Jahren beobachteten Verbrauchsanstieg bleibt abzuwarten, ob die positive Entwicklung für den ambulanten Verbrauch von Antibiotika Bestand hat.